Artikel der Oberhessischen Presse vom 29.12.2016 (von M. Agricola)

 


 

Errichtung eines Aalfanges an der Lahn – St. Elisabeth Mühle – in Marburg

Seit dem Jahr 2011 verhilft der Fischereiverein Marburg und Umgebung e. V. dem, mittlerweile in der roten Liste, als vom Aussterben bedrohte Art, geführten europäischen Aal im sogenannten Catch & Carry  Verfahren, das möglichst unbeschadete Erreichen seines Laichplatzes in der Sargassosee.

Üblicherweise treten die in unseren Gewässern lebenden, laichfähigen Tiere (Blankaale), zwischen Oktober bis Anfang Dezember eines jeden Jahres (sofern überhaupt noch überall vorhanden) ihren nicht ungefährlichen, etwa 6000 km entfernten Weg, zur Fortpflanzung an.

Neben den auf dieser Laichwanderung vorhandenen allgemeinen Gefahren (z. B. durch Welse, Kormorane und durch im Meer lebende Großfische) welchen die Aale ausgesetzt sind, trägt der Umstand der vielen und entlang unserer heimischen Gewässer befindlichen Kleinkraftwasserwerke hauptsächlich mit dazu bei, dass kaum noch ein Blankaal sein Laichziel erreichen kann / wird.

Die Tiere werden in diesen der Stromerzeugung dienenden Turbinen entweder auf das schwerste verletzt, oder sofort getötet. Der Nutzen, bzw. die Effizienz dieser Häckselmaschinen soll hier nicht weiter  beschrieben werden, da dies mittlerweile als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden kann.

Die Hoffnung, dass sich im Besonderen auf politischer Ebene möglichst bald eine zufriedenstellende Regelung zugunsten des Aales ergibt, haben die Mitglieder des Marburger Fischereivereins mittlerweile aufgegeben.

Dem gesetzlichen Auftrag zur verpflichteten Arterhaltung heimischer Fischarten Folge leistend,  haben wir uns mit der freundlichen Unterstützung der Oberen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Gießen entschlossen, dieser geschundenen Kreatur unsere Unterstützung zukommen zu lassen. Wohl Wissend, dass unsere Hilfestellung lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Jedoch immer noch effektiver als hilflos zuschauen, wie der Aal mehr und mehr aus unseren Gewässern verschwindet!

Je nach Wasserstand der Lahn fischten wir ab Oktober bis Anfang Dezember 2011, zunächst ausschließlich elektrisch, das Vereinsgewässer ab. Dieses Verfahren wurde bis 2013 beibehalten.  Hierbei wurden lediglich die Blankaale entnommen und in einer eigens hierfür konstruierten Zwischenhälterungsanlage für den Abtransport nach Lahnstein und das Wiedereinsetzen in den Rhein, meist Mitte Dezember, gehältert.

Das elektrische Abfischen stellt selbstverständlich eine Herausforderung an alle Beteiligten dar. Gilt es doch eine nicht unerhebliche Manpower aufzubringen und die Einhaltung aller für diese Maßnahmen notwendigen Bestimmungen zu gewährleisten.

So hielten sich auch die seinerzeit abgefischten Mengen (knapp Einhundert Blankaale) in Grenzen. Zur Wandlung kam es, als bekannt wurde, dass in Wetzlar ein intakter Aalfang  einer Mühle vorhanden war. Nach erfolgreichen Gesprächen mit dem Mühlenbetreiber  entschied man diesen Aalfang zu nutzen, wenngleich auch keine Erfahrungswerte vorlagen. (Wenn man nichts versucht, weis man auch nichts.)     

Auf den Punkt gebracht erwies sich dieser Versuch gegenüber der Elektrofischerei, als weit aus effizienter, jedoch vom Arbeitsaufwand her keineswegs leichter. In Zahlen ausgedrückt waren es zunächst über Fünfhundert Blankaale, im vergangenen Jahr sogar weit über Siebenhundert Tiere. Da ein solcher Aalfang beim Scharfstellen unbedingt der personellen Überwachung bedarf und auch der Zeitpunkt der Aalabwanderung mehr oder weniger vorausgesagt / erahnt werden muss, kann man sich unschwer vorstellen, dass man einige Nächte opfern muss.

Die Mitteilung des Wetzlarer Mühlenbetreibers dass ein Abriss des Gebäudes bevorstehe und der Aalfang somit nicht mehr gegeben war, veranlasste uns nach weiteren Möglichkeiten dieser doch effektiveren Aalabfischung zu suchen.

Auch in Marburg gab, bzw. gibt es Mühlen, welche heute natürlich nicht mehr, oder kaum mehr der früheren Nutzung dienen, sondern meist auch Stromproduzierende Turbinen verbaut haben. Allerdings nutzt ein Aalfang nichts, wenn der Betreiber seine Zustimmung zur Turbinenabschaltung, zumindest während der Aalabwanderung verweigert.

In diesem Fall hatten wir Glück und fanden im Mühlenbetreiber der historischen St. Elisabeth Mühle, Hr. Wilhelm Lotz, einen unserem Anliegen aufgeschlossenen, Gesprächpartner.

Dieser berichtete auch, dass es wohl vor und während des zweiten Weltkrieges  einen ertragreichen Aalfang gegeben habe. Dieser war durch Zerbombung der kompletten Mühlenanlage seit dieser Zeit nicht mehr aufgebaut worden.

Nachdem wir dem Betreiber unser Anliegen näher gebracht hatten und verdeutlichten, dass wir in der Lage wären, einen neuen Aalfang an alter Stelle installieren zu können, gab er zunächst sein Einverständnis. Und nicht nur das Einverständnis zur Installation, sondern auch zur Bereitschaft die Turbine während der Aal  Laichabwanderung abzustellen.

Das Turbinenabstellen ist Voraussetzung für die benötigte Lockströmung beim Öffnen des Schleusentores zum Aalfang.

Danach erfolgten Gespräche mit der zuständigen Oberen Fischereibehörde beim RP Gießen, vor Ort Besichtigungen, Planungen, Materialbeschaffungen und schließlich umfangreiche Installationsarbeiten. Notwendig wurde auch ein Geländezugang, welcher gewährleistet, dass die Anwesenheit des Mühlenbetreibers, während des Abfangs, nicht erforderlich sein muss.

Allerdings wurde die Jahreszeit der Aalabwanderung unbewusst vernachlässigt. Im Herbst fällt nun einmal das Laub. Im Aalfangbereich ist die Lahn sehr dicht durch Schwarzerlen und Ahornbäume bewachsen. Dies hat dann logischerweise zur Folge, dass das Gewässer sehr viel Laub mitführt, welches sich dann in den Rosten des Aalfanges wiederfindet und für den Wasserabfluss äußerst hinderlich ist.

 

 

Hier wurde Abhilfe geschaffen, indem man in ca. vierzig Metern Entfernung, oberhalb des Aalfangs, sogenannte PP  Rohre im Wasser eingebracht hat. Auf zwanzig Meter Flussbreite wurden auf gesamter Länge 110er Rohre und 160er Rohre mittels Montagelochband übereinander gebunden. Das 160er Rohr oben, mit Verschlussdeckel versehen. Dieses dient als Trägerrohr des 110er Rohres welches mit Wasser geflutet, unterhalb des Wasserspiegels dafür sorgt, dass auf dem Wasser kein mitgeführtes Laub und Unrat zum Aalfang gelangt. Gehalten wird dieser Laubfang mittels Stahldrahtseil über ganzer Länge und jeweils an den Ufern gesichert.

Für die Fangroste und den am Ende der Roste angebrachten Auffangkasten wurden ausschließlich VA  Stahlbauteile verwendet, bei deren Zusammenbau peinlichst auf abgerundetes Material ohne Kanten geachtet werden muß. (Ausschließen von Verletzungen der Aale) Die gesamte Konstruktion ist so installiert worden, dass sie in ca. einer Stunde komplett auf- bzw. abgebaut werden kann.

Es bleibt anzumerken, dass sich der beschriebene Aufwand nur dann lohnt, wenn ein einigermaßen sicherer Aalbestand im Gewässer nachgewiesen werden kann.

Für unseren Bereich kann dies, nicht zuletzt durch kontinuierlich durchgeführten Aalbesatz, bestätigt werden. Bleibt zu hoffen, dass dies auch in der Zukunft so bleiben wird.

 

J. Schwarz

Vorsitzender