Deutsch - Tschechische - Freundschaft

 

Im Herbst 2016 kommunizierte ich mit dem Bayrischen Landesjugendwart um ein geeignetes Ziel für eine Jugendfreizeit 2018 zu finden. In unseren Gesprächen nannte er nicht nur mögliche Ziele in Bayern, sondern übermittelte mir die Mailadresse einer Kontaktstelle für 'Deutsch - Tschechische - Freundschaften' in Regensburg!

Da man Neuem immer offen gegenüber stehen sollte, kontaktierte ich diese Adresse und wurde mit unseren Daten und einer kurzen Erklärung unserer Absichten in diese Kontaktbörse aufgenommen. Es dauerte nicht lange und die ersten Interessenten meldeten sich, unter anderem Frau Silvia Havlikova aus dem grenznahen Sokolov, dem früheren Falkenau. Nach ersten Informationen und einigen Überlegungen sowie der Tatsache, dass Frau Havlikova sehr gut deutsch sprach, entschied ich mich für ein näheres Kennenlernen in Sokolov.

So machten meine Frau und ich uns Anfang Januar 2018 auf den Weg nach Tschechien. Dort angekommen wurden wir sehr herzlich empfangen und ein detaillierter Informationsaustausch nahm seinen Lauf. Am dritten Tag unseres Aufenthaltes waren wir mitten in der Planung für ein erstes Deutsch-Tschechisches Jugendgruppentreffen der Fischereivereine Marburg und Sokolov.

Das Ergebnis der Planungen der letzten Monate wurde in den Morgenstunden des 30.06.2018 in die Tat umgesetzt:

Mit zwei Transportern und 16 Personen machten wir uns auf den Weg. Etwa 720 Kilometer sollten zwischen unserem Vereinsheim in Marburg/Wehrda und dem Zielort in Südböhmen liegen. Hier verbringt die Jugendgruppe des Fischereiverein Sokolov - 'Parmicky' - schon seit Jahren ihre Freizeiten und die uns im Vorfeld übermittelten Bilder ließen erahnen, warum! Nach neun Stunden Fahrt konnten wir den idyllischen Ort - mitten im Wald an einem Stausee gelegen - das erste Mal in Augenschein nehmen.

Der Ort Sobenov, dreißig Kilometer entfernt von der Stadt Budweis gelegen, sollte für die nächsten fünf Tage unser Zuhause sein.  Nach ersten Einweisungen und dem Verteilen der Tschechischen Angelerlaubnisscheine, die Silvia Havlikova im Vorfeld für uns erstanden hatte, konnten die Jungs sofort an den See gehen und das fremde Gewässer erkunden. Es hat enorme Vorteile, an einem fremden Ort Ansprechpartner zu haben, um Dinge regeln zu können, die man in dieser Form nie zustande bringen würde. Dies war hier der Fall. Nicht nur das Angeln an verschiedenen Gewässern mit unterschiedlichem Besatz, sondern auch kulturelle Aspekte wie Besichtigungen standen auf dem Programm. Es gibt viele Burgen, Schlösser und Sehenswürdigkeiten, die sehr interessant sind, nur einen kleinen Teil hiervon konnten wir in Anbetracht der begrenzten Zeit in  Augenschein nehmen. Wir hatten sogar, wenn auch für eine Jugendgruppe eines Fischereivereins vielleicht unüblich, eine Führung in der Brauerei von Budweis, die natürlich unter Beachtung des Jugendschutzgesetzes durchgeführt wurde. Hier waren sowohl der instruktive Teil als auch die Möglichkeit den in 300m Tiefe liegenden unterirdischen See (Brauwasser) mit einem Aufzug anzufahren, sehr beeindruckend!

Da in Tschechien das Fliegenfischen sehr große Bedeutung hat, wurden unsere Jugendlichen, die hier Interesse zeigten, in die hohe Kunst des Fliegenbindens eingewiesen. Wir hatten dies auch schon in unseren Jugendgruppenstunden thematisiert, aber in einem solchen Perfektionismus, wie wir ihn dort erleben durften, konnten wir dies nicht vermitteln. Wir hingegen bauten Spinner und Blinker, welche wir in Bausätzen erworben und mit nach Sobenov genommen hatten. Dies wiederum war etwas Neues für unserer tschechischen Freunde - Spinner so zu gestalten, wie sie gerade benötigt werden. Bei diesen Projekten wurde dann auch die anfängliche Scheu, in erster Linie bedingt durch die Sprachbarrieren, gebrochen. Man bediente sich dem Englischen, der sprichwörtlichen Kommunikation über Hände und Füße und dem Übersetzen per Handy, was auch in den meisten Fällen gelang. Wenn nicht, riefen wir Silvia, die ein nahezu perfektes Deutsch beherrscht!  Die wenigen Tage vergingen wie im Flug und die anfängliche Skepsis wich der Erkenntnis, dass dieses Projekt, welches einen solch guten Anfang genommen hat, ausgebaut und vertieft werden muss.  So sprach ich im Namen des Fischereivereins Marburg und Umgebung bei der Verabschiedung eine Gegeneinladung aus, die dankend angenommen wurde und so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt werden soll.

Wie immer an dieser Stelle, möchte ich mich bei den helfenden Händen bedanken. Die Vorstandsmitglieder Adrian Becker, Christian Bernhardt und das ehemalige Jugendgruppenmitglied Fabian Brieler unterstützten diese Freizeit tatkräftig. Die Hauptlast der Organisation lag aber in diesem Fall auf der anderen Seite der Grenze, wie bspw. das Buchen der Unterkünfte, Abwicklung von Formalitäten bei der Genehmigung und dem Erwerb der benötigten Angelpapiere und so vieles mehr. Wir können nur vielen Dank sagen und den Versuch starten, ebenso gute Gastgeber zu sein, wie unsere neuen tschechischen Freunde es waren. 

 

Stefan Becker 

 

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